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djzdjz7-2008An alle Ardennen- brackenfans!
Eine grosse Reportage über Ardennenbracken war in der Zeitschrift DJZ vom Juli 2008 abgedruckt. Wer diese schon wegeworfen hat, kann den Artikel hier nochmal nachlesen DOWNLOAD (.pdf 5,6 MB)

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Artikel aus DER JAGDHUND Heft 10/1989

Einiges über Ardennenbracken
Von Franz Erbe

Obgleich ich schon viel früher nach einem Hund dieses Blutes Ausschau gehalten hatte, führte mich schließlich doch nur der Zufall vor einigen Jahren mit einem solchen historischen Vertreter des inzwischen seltenen Brackenschlages zusammen: Einer mittelalten, jagdlich hochpassionierten Hündin mit tiefem Baß und dem typischen Brackenstern - beinahe schon als „Latz" ausgeprägt!

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Franz Erbe: Einer der Begründer der Ardennenbrackenzucht in Deutschland.

Sechs Monate etwa und viele, viele unzählige Autokilometer waren weiter nötig, um ihr einen schwarzen, ebensolchen Rüden zuzuführen. Daß die „Hundehochzeit" am 3. November vollzogen wurde, war natürlich reiner Zufall - dennoch freute es mich. Am darauffolgenden Dreikönigstag fiel der Wurf, aus dem ich „Bella", meine jetzige, inzwischen auch jagdlich bewährte Ardennenbracke, wie die wenigen schwarzen und schwarzroten Hubertushunde mit Jagdverwendung und „Jagdverstand" auch genannt werden, behielt. Optisch und größenmäßig nach Widerristhöhe stehen ihnen die Jura-Laufhunde - zumindest auch verwandtschaftlich - sicher sehr nahe.

So führte ich auch jetzt - erneut - eingehende Studien, im benachbarten Ursprungsland ebenso wie in der verfugbaren Literatur.

Altmeister OFM Rudolf Frieß (R.F.), wohl der bekannteste, sicher auch der kompetenteste „Rüdenmeister", als Kenner unserer Jagdhunde im allgemeinen, wie auch als anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Historik unserer vierbeinigen Jagdhelfer im besonderen, befaßte sich sehr eingehend auch gerade mit diesen „Resten" bodenständiger Laufhunde, den hochbewährten „Jagdgebrauchshunden" früherer Jahrhunderte.

Die Laufhunde „Saint Hubert" haben sich allerdings „aufgespalten": in eine kleine Gruppe, dafür aber jagdlich geführter, überwiegend schwarzer Ardennenbracken, als „Belgische Laufhunde" - und die schweren, großen, meist schwarz-roten oder hirschroten (mit schwarzem „Sattel") Bluthunde mit durchwegs jagdferner Verwendung - als englische Manipulation. (Als südfranzösische möchte ich die „tieftraurigen", besser „traurig-tiefen" Basset ansehen, die natürlich für den Jagdgebrauch weitgehendst ausgeschieden sind, weil auch ausschließlich zum Modehund geworden.)

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Der Hubertushund ist auch Pirschbegleiter
Foto: Franz Erbe

Vom großen (engl.) Bloodhound, der in nichtjagdlicher Linienzucht heute sehr viel Geld kostet (Welpe z.B. 1.800,- DM) liest man zuweilen in kynologischer Fachliteratur, daß bei ihm „die Zeit vorübergegangen ist", obwohl in Frankreich bis ins späte Mittelalter -gerade jagdlich! - noch in hoher Blüte gestanden; wenn auch „nur" für die Arbeit vor der Erlegung der Hirsche - als Suchunde, als feinnasige Fährtenhunde und schließlich als verfolgende Hetzhunde.

Über diese „hohe Zeit" des berühmtesten Hirschhundes aller Zeiten" (so OFM Frieß) scheint die Zeit tatsächlich vorbeigegangen zu sein, sieht man einmal davon ab, daß sie - dennoch - im Blut der nächstverwandtschaftlichen heutigen Hannoverschen Schweißhunde fortleben.

OFM Frieß befaßte sich in der „Pirsch" 1958 u.a. mit dem schwarzen Hubertushund, der im Ardennentyp einen jagdlich bewährten Vertreter des „Bluthundes" verkörpert (Bluthund = reines Blut führend = reinblütig), am Beispiel zweier, zuvor aus Belgien eingeführter Ardennen-Bracken (Danhee und Cresus). Aus deren Verbindung fielen am Köschinger Waldhaus (bei Ingolstadt, Bayern) des Herzogs Albrecht von Bayern zwei Würfe.

Aus dieser Zuchtstätte „von der Eibenleithe" bemühte sich dann auch Ende der fünfziger Jahre der "Verein Hirschmann" um einige Junghunde, um sie, bei Bewährung, zu einer planmäßigen Blutauffrischung des Hannoveraners zu verwenden. Tatsächlich - so ist's uns überliefert, führte u.a. RevFö H. Steinorth aus Isny im Allgäu einen Rüden (Phoebus v.d. Eibenleithe) auf Vorprüfung beim „Verein Hirschmann", Uslar 1959 mit II. Preis, dem sich dann eine Reihe guter Arbeiten auf Wundfährte im Allgäuer Hochwildrevier seines Herrn und Führers anschlossen. (Die Pirsch 1950, Seite 945 ff) Für eine Regenerationszucht ist bekanntlich das beste gerade gut genug!

Erbe3 Der Hubertushund bei der Arbetit auf der Wundfährte Foto: Franz Erbe

So hat der Club für Bayerische Gebirgsschweißhunde - vom guten Geist solcher, wenn notwendig werdender züchterischer Maßnahmen geleitet - in diesem Sinne gut „geführt", als er - ebenfalls in den fünfziger Jahren - über den Zwinger „vom Edelboden" des WM Sepp Weber von Hinterriß, den Tiroler Brackenrüden „Faun vom Sennhof' in einige seiner guten Zuchthündinnen „einfließen ließ". „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen", und um mit Rudolf Frieß zu sprechen: „Um vor allem auch eisernen Fährtenwillen und Fährtenlauf nebst Fährtentreue zu sichern und zu erhalten"" Diese unverzichtbaren Eigenschaften nämlich schreibt er den Hubertushunden in höchstgrößtem Maße zu.

So ist der gute Zeitgeist sicherlich doch nicht über den ""Saint Hubertus" hinweggegangen".

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Artikel aus Die Pirsch 22/89
ARDENNENBRACKE –
eine neue alte Rasse
Nachkommen des alten Hubertushundes für zeitgemäßen Jagdgebrauch

AIs vor einiger Zeit im Anzeigenteil der Jagdzeitschriften „Ardennenbracken-Welpen" angeboten wurden, mag sich so mancher gefragt haben, was das für Hunde sind. Es gibt vielerlei Brackenschläge, doch diese Bezeichnung war bisher nicht bekannt. Auch ich war zunächst skeptisch, zumal wir mehr und mehr mit einer kaum überschaubaren Vielfalt von Jagdhundrassen überschwemmt werden, die nur noch ein eingeschränktes Betätigungsfeld in der grünen Praxis vorfinden.

Wäre da nicht der Name Franz Erbe als Züchter gewesen……..
Jagdlichen Kynologen und Nachsuchenführern ist Franz Erbe, Jahrgang 1939, kein Unbekannter. Bereits vor 30 Jahren wurde dem Berufsjäger die Nachsuchenarbeit zum großen Anliegen. Viele erfolgreiche Nachsuchen bilden Glanzpunkte dieser Arbeit und sind sein besonderer Verdienst. So errang er mit seiner Gebirgsschweißhündin „Drossel vom Halblechtal" der I Preis auf der Verbandssuche des Internationalen Schweißhundeverbandes 1987 in Grönau/Österreich.

In seinem Zwinger Schnee-Eifel züchtete er selbst Bayerische Gebirgsschweißhunde; der Nachsucheneinsatz wurde immer mehr zu seiner zentralen Lebensaufgabe. Da Franz Erbe jedoch kein Rassefanatiker ist, sollte seine "Entdeckung" der Ardennenbracke Anlaß sein, der Herkunft dieser Hunde nachzuspüren,

Von der Keltenbracke zum Hubertushund

Ausgangspunkt ist der „Chien St-Hubert“, der „Hubertushund", einer der reinsten Nachkommen der legendären Keltenbracke, der Urform aller unserer Laufhunde und der von diesen abstammenden anderen Jagdhundformen. Seinen Namen hat er vom heiligen Hubertus und dem Ardennenkloster gleichen Namens im heutigen wallonischen Belgien, das diesem geweiht ist. (Eine ähnliche Entwicklung wie beim Hubertushund in den westlichen Waldgebirgen finden wir im südlichen alpinen Bereich bei Brandlbracke und Juralaufhund.

Dieser „Saint-Hubert", so Altmeister R. Frieß, war der berühmteste Leit- und Hirschhund aller Zeiten. Im Mittelalter ging von jenem Ardennenkloster alljährlich ein Tribut von sechs Hunden an den französischen Königshof. Diese Leithunde waren zugleich die Kopfhunde der Meuten. Da man in einer Meute von 20 und mehr Hunden immer genug Auswahl an besten Leithunden hatte, brauchte man keine gesonderte Zucht und Rasse.

Besonders bekannt waren die weißen und schwarzen Schläge des Hubertushundes. Von den „schwartzen Hunden der Abty zu Sanct Huber im Ardene" berichtet Crescentius im Jahre 1300:
Diß sein außerwehlte gute Hunde, und ist ihre Art in gedachter Apty allzeit zu finden. Sie sein nunmehr fast in alle Teutsche Jägerhäuser außgetheilt, wiewol es wenig Jäger wissen. Starck von Leib, nicht hoch von Füssen, förchten kein Wasser noch Kälte nicht, und begeren sonderlich der starckriechen-den Thier, als da sein Schwein, Bäeren, Füchs und andere dergleichen.

Mit dem Einfluß der französischen Lebensart und der Jagdmethoden in Deutschland gewannen auch diese Hunde bevorzugte Verwendung. Sie hatten so auch ihren Anteil an der späteren Entwicklung vom Leit- zum Schweißhund. Besonders in Frankreich glaubte man, der Farbe der Hunde eine spezielle Bedeutung zusprechen zu müssen, von der man gewisse Korrelationen zu physischen Eigenschaften vermutete. Der Modetrend des jeweiligen französischen Königs mag dabei jedoch oft Angelpunkt der Interpretation gewesen sein. In Deutschland hielt man dagegen wenig von einfarbig weißen oder schwarzen Exemplaren. Heppe schreibt 1751, daß der Hund schließlich nicht mit dem Haar, sondern mit der Nase sucht. Von der Statur recht einheitlich, von der Farbe jedoch von rot über grau zu gefleckt recht verschieden, so gaben sich die Leithunde damaliger Zeit in Deutschland. Noch heute mendelt ab und an eine Farbnuance aus unseren Schweißhunden heraus und weist auf den Ursprung.

Alles Wissenwerte über Ardennenbracken gibt es hier auch zum Ausdruck für die Frühstückspause
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Der Jagd entfremdet und wiederentdeckt

Was die offizielle Kynologie heute als "Saint-Hubert" kennt, hat mit den alten Meute- und Leithunden nicht mehr viel zu tun. Es handelt sich um eine reine Form- und Ausstellungszucht von schweren, massigen Hunden nach der Art des englischen Bloodhounds. Extrem verstärkte man dabei im äußeren Erscheinungsbild die sogenannten hubertoiden Merkmale: überaus massiger Körperbau; lose Haut mit Wamme und hängenden Lefzen, tief angesetzter, gedrehter Faltenbehang. Manche Mängel (Ektropium, Wamme) werden gar als erwünschtes Zuchtziel angesehen. In den Ardennen haben sich nun offenbar, von der offiziellen Kynologie unbeachtet, vereinzelt noch "Landschläge" von jagdtüchtigen Bracken erhalten, die direkt auf den alten Hubertushund zurückgehen. Es sind mittelgroße, schlanke, stockhaarige Laufhunde von ruhigem, ausgeglichenem Wesen, von schwarzer oder rotbrauner Farbe.

Als Praktiker, der in erster Linie Wert auf Leistung legt, war Franz Erbe von diesen Ardennenbracken begeistert. Nachdem er durch unglückliche' Umstände zwei hauptgeprüfte Bayerische Gebirgsschweißhunde verloren hatte und nicht sofort gleichwertiger Ersatz zur Verfügungstand, widmete er sich der Zucht der Ardennenbracken, die durch seine Initiative bekannt wurden. Als Nachsuchenspezialist führt Franz Erbe die Hunde natürlich in erster Linie als Schweißbracken.

Eine Rasse mit Zukunftsaussichten?

Obwohl die Ardennenbracke als die jagdtüchtige . Ursprungsform des „Saint-Hubert" in seiner heutigen, der Jagd entfremdeten Zuchtgestalt gelten kann und eine 'Parallelentwicklung zu zahlreichen anderen, anerkannten Laufhundrassen darstellt, fehlt ihr heute noch die Anerkennung durch die offizielle Kynologie (F.C.I.). Als erster planmäßiger Züchter dieser Hunde hat Franz Erbe Pionierarbeit zu leisten, und es werden noch einige Zuchtgenerationen nötig sein, um nachweisen zu können, daß es sich um eine in Leistung und Form gefestigte Rasse handelt.

Ähnliche Probleme standen am Anfang der Reinzucht aller unserer Jagdhundrassen vor rund 100 Jahren. Die formellen Schwierigkeiten für eine Neuschöpfung bzw. "Wiederentdeckung" sind heute jedoch größer geworden; ohne kynologische Anerkennung kann die Rasse nicht von einem dem Jagdgebrauchshundverband angeschlossenen Zuchtverein betreut werden. Die Hunde können nicht zu Verbandsprüfungen zugelassen werden und sind in manchen Bundesländern sogar vom Nachweis der gesetzlichen Brauchbarkeit ausgeschlossen.

Die Zukunft wird zeigen, ob die Pionierarbeit Bestand hat und ob der praktische Bedarf an Nachsuchenhunden der "Ardennenbracke" einen anerkannten Platz neben den eingeführten Schweißhund- und Schweißbrackenrassen gewähren wird.

Manfred Hölzel

Artikel aus DIE PIRSCH 8/2000

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Wer neue Wege in der Jagd oder im Jagdhundewesen beschreiten will, muss nicht sehr lange auf seine Feinde warten. Zum ersten Treffen der Ardennenbracken (Hubertushunde) am 4. September 1999 hatte Ansgar Breuer in den Wildwald Vosswinkel bei Arnsberg in Nordrhein-Westfalen eingeladen.

Die in Jagdzeitungen geschalteten Anzeigen zu der Veranstaltung riefen nicht nur die Freunde der Ardennenbracken auf den Plan, sondern auch die Kritiker der Hubertushunde, einer alten Rasse, die an belgischen Klöstern wie St. Hubert gezüchtet wurde. Das bestehende Hundematerial in der BRD sei ausreichend, sagte man in zahlreichen Anrufen dem Initiator, die Ardennenbracke sei eine „Franz-Erbe-Bracke" (nach dem bekannten, verstorbenen Berufsjäger). Ein kleiner Kreis von 16 anspruchsvollen Jägern, die sich durch eine besondere Zuneigung zu dem roten oder schwarzroten Hund auszeichnen, hatten sich dann im Arnsberger Wald versammelt. Optisch, größenmäßig und auch verwandtschaftlich stehen die Ardennenbracken, die von einer Tierärztin vermessen und auf den Gesundheitszustand überprüft wurden, den Jura-Laufhunden sehr nahe.

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Hubertushund “Phoebus” aus dem Zwinger „von der Eibenleithe", Züchter Herzog Albrecht von Bayern. Historische Aufnahme von 1960.

Mit Interesse und Nachdenklichkeit habe ich beobachtet, wie die Anwesenden - ähnlich einer „Fangemeinde" - Alben mit Fotos und Berichten aus der Jagdpresse von Revieroberjäger Franz Erbe herumreichten. Die meisten der Teilnehmer, die ihn kannten, sehen in ihm nicht nur einen Brackenzüchter auf dem Gebiet der Historik unserer vierbeinigen Jagdhelfer. Es war auch seine Persönlichkeit, sein Umgang, seine Einstellung und Feinfühligkeit gegenüber seinen Hunden und dem Wild. Bereits vor den Züchtungen durch Franz Erbe befasste sich Altmeister Rudolf Frieß mit den „Resten" bodenständiger Laufhunde. 1958 schrieb er in der PIRSCH über den Hubertushund, der im Ardennentyp einen jagdlich bewährten Vertreter des „Bluthundes" verkörpert. (Bluthund = reines Blut führend = reinblütig). Aus zwei zuvor aus Belgien eingeführten Ardennenbracken fielen am Köschinger Waldhaus des Herzogs Albrecht von Bayern zwei Würfe. Es wird Aufgabe von Ansgar Breuer und einer kleinen Arbeitsgruppe sein, die Fährte einer jahrhundertealten Hunderasse aufzunehmen - auf jagdhistorischem Boden der Ardennen um St. Hubert. Die Jagdgebrauchshundeverbände konnten bei den hochgezüchteten Rassen Epilepsie, Allergie, HD, Wesensschwäche und „Intensivzüchtungen" einiger Rassen nicht verhindern. Sie sollten die Aktivitäten dieser Personengruppen um die Ardennenbracken nicht behindern, sie sind gegenüber hunderttausender, eingetragener Jagdgebrauchshunde ungefährlich. Es sind ohnehin zahlreiche Hürden aufgebaut, sie zu Schweißprüfungen nicht zuzulassen. Selbst auf den nicht sehr hohen Anforderungen von Brauchbarkeitsprüfungen der Kreisgruppen sind sie bei der Zulassung vom guten Willen abhängig, nur auf Schweiß zu gehen und von der meist unter den Bracken nicht beliebten Wasserarbeit entbunden zu sein. Die jagdkynologische Welt wird nach dieser Veranstaltung nicht aufhorchen. Man sollte den Hunden und den Hundeführern mit Toleranz begegnen. Wildmeister Dieter Bertram

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Forstbeamtin und Züchterin Gabriela Geitz aus dem Nationalperk Eifel (Forsthaus Wolfgarten) mit Ardennenbracke - Zuchthündin- Cara (Rufname Ayla) vom Forellenbach

Vor ungefähr zwanzig Jahren erschienen in der deutschen Jagdpresse erstmals Berichte und Hinweise auf die Ardennenbracke. Initiator war damals der auch in diesem Bericht erwähnte und vielen Jägern als Schweißhundführer gut bekannte Berufsjäger Franz Erbe. Wildmeister Bertram schlägt nun erstmals einen Bogen von den heutigen Ardennenbracken zu deren mutmaßlichen Urahnen aus dem legendären Kloster St. Hubert in den belgischen Ardennen. Nun sind nach heutiger kynologischer Auslegung die Bloodhounds die unmittelbaren Nachfahren dieser Hubertushunde, worauf auch die anderen gebräuchlichen Namen für diese Rasse, „St. Hubert Hound" und „Chien de Saint Hubert", hinweisen. Und diese Bloodhounds unterscheiden sich durch den weitaus massigeren Körper und die „hubertoiden" Gesichtsfalten äußerlich doch sehr von „Ardennenbracke". Bei dieser könnte es sich durchaus auch um eine Brandlbracke handeln. Vielleicht hat aber Wildmeister Bertram doch recht: In den 50er Jahren gab es in Belgien offenbar noch eine Meuteform dieses "St. Hubert", und der Herzog von Bayern züchtete mit Hunden aus dieser belgischen Meute seine Hubertushunde unter dem Zwingernamen „von der Eibenleithe". Ob dieser Zwinger noch existiert und/oder was aus den Hunden dieses Zwingers geworden ist, ist mir nicht bekannt.

Sicher ist nur: Der Verein Hirschmann -lnitiatoren waren dessen damaliger Zuchtwart Konrad Andreas sowie Oberforstmeister Walter Frevert- kaufte Ende der 50er Jahre mehrere Hunde aus diesem herzoglichen Zwinger, um deren Eignung für eine Einkreuzung in den Hannoverschen Schweißhund (zur Verbesserung von Hetzfreude und Laut) zu testen. Nun, aus diesem Plan wurde nichts, diese Hunde waren reine Hetzmaschinen und nicht riemenfest zu machen. So wurde dieser Plan rasch aufgegeben. Das schwarz-weiß Foto zeigt einen dieser Hubertushunde bei einer Schweißhundschau des Vereins Hirschmann im Jahr 1960 auf Schloß Waldeck in Hessen, und dieser Hubertushund unterscheidet sich nur unwesentlich von der Bracke auf dem Foto mit Frau Geitz. Meine Nachforschungen bei befreundeten belgischen Schweißhundführern erbrachten keinen Hinweis darauf, dass in den Ardennen noch diese Meuteform des Hubertushundes existiert.

Wenn der wasserdichte Nachweis gelänge, dass die heutigen Ardennenbracken Nachfahren dieser Meute form des „St. Hubert" sind, dann wäre diese Ardennenbracke tatsächlich eine hochinteressante Variante in der Palette der kontinentalen Brackenrassen Europas. Aber dieser Beweis müsste absolut sicher erbracht werden.

Bernd Krewer

Artikel aus WILD UND HUND 19/1989

Vom „freien Willen" der Zuchthündin
Franz Erbe

Zu Beginn der Rehbrunft hat meine Hubertus-Hündin „Bella" ihren diesjährigen Nachwuchs zur Welt gebracht. Vorausgegangen war eine sehr heiße Woche - zwei Tage zuvor, am Wochenende, kam noch eine Totsuche auf einen Überläufer auf uns zu, die ich mit ihrer „Zustimmung" auch übernahm, denn nun fällt sie ja für eine kurze Zeit lang aus für die Arbeit nach dem Schuß ...

Ja, heute mußte der Wurftag für ihren zweiten Wurf sein. Es hat abgekühlt - wie auf Bestellung. Die ersten Welpen sind bereits um 6 Uhr früh auf der Welt. Schon seit langem hatte ich alles vorbereitet für diesen Tag, es war genau der 63. Die „vorschriftsmäßige", von meinem „bergjägerischen" Freund Erwin Joachim aus Bayern vor Jahren liebevoll gefertigte Wurfkiste „hygienisch" saubergemacht, lange vorher schon und dann zwei weitere zum Werfen geeignete Plätze - alle nach meinen (menschlichen!) Vorstellungen durchdacht! Und für die Hündin „frei verfügbar". Nun hat Bella aber ihre eigenen Ideen von ihrer Wochenstube. Im kleinen Vorraum des großen Hundehauses, des Stationszwingers, direkt an dessen Türschwelle fand sie es sicher, auch weil es dort relativ kühl ist, am „günstigsten" (Haupteingang und Futterlager).

Und nun sitze ich hier, schon seit Stunden - war nur kurz fort, um neue „Munition" für den Fotoapparat zu holen im nahegelegenen Ort Birresborn, wo auch sie vor 3 1/2 Jahren das Licht der Welt erblickte und seither auch meine engste Mitarbeiterin ist bei unseren Bemühungen, krankes Wild zu finden. Ja, schwarze Hunde schrecken viele Jäger ab! So sinniere ich, während Bella ihren Nachwuchs fachgerecht und liebevoll behandelt und ich besondere Szenen fotografisch festhalte. Die letzten Welpen sind gegen Mittag gewölft worden, nur wenige sind schwarzrot, die meisten schwarz wie die Mutter Bella, jedoch mit historischem Brackenstern. Die schwarzen Hunde ...

Doch waren sie vor 800 Jahren in Deutschland verbreiteter als heute die Brandl-Bracken und wenigen Hubertushunde zusammengezählt. Heinrich Uhde brachte sie im WILD UND HUND-Hubertusheft 1986 wieder ins jagdliche Bewußtsein! Auch - als die Ahnen unserer heutigen Schweißhunde.

Doch zum „freien Willen" meiner einstigen, auch überragenden, aber Bayerischen Gebirgsschweißhündin „Sylva I" möchte ich noch etwas sagen:

Für ihren vierten Wurf hatte sie damals eine Vorstellung vom „Wurflager", der ich nicht zustimmen durfte: Eine knappe Stunde vor dem Werfen war sie „spurlos" verschwunden - ganz entgegen ihres sonstigen Wesens.

Verzweiflung und Angst hatten mich überfallen, und inmitten hektischer und panischer Suche hörte ich gegenüber meiner Wohnung (Dorfstraße!) unter dichter Zaunhecke hundliche und in dieser Situation erlösende Laute. Noch kein Welpe war da, dafür aber eine Mulde gescharrt - zum Wurflager wie geschaffen. Nachdrücklich und fast „grob" mußte ich die Hündin aus diesem „Verhau" hervorbefehlen, denn ich hatte ja nicht unvorbereitet diesen Tag ihrer Niederkunft eingeplant. (Ähnlich wie heute bei Bella - der „Schwarzen".) Und nun erinnerte ich mich sogleich an Eberhard Trumlers „umwerfende" Literatur: „Mit dem Hund auf du" und „Hunde - ernstgenommen". Seither „entpersönliche" ich auch meine engsten Mitarbeiter nicht mehr in Angelegenheiten, die ihre ureigenen sind! (Vorstehenden „Wunsch" zum Wurf und Welpenlager bei Sylvia 1 konnte ich jedoch aus naheliegendem Grund nicht billigen).

In der von Inga Ruppert (WuH berichtete hierüber) herausgebrachten BGS-Chronik 1988 wurde ein Bericht über meine unvergessenen Bella II veröffentlicht: „Acht Tage nach dem Werfen". Bella 11 hatte - sozusagen aus ihrem Wochenbett heraus - eine glänzende Nachsuche geleistet: Auch hier hatte ich nicht „gefordert", sondern angesichts ihrer Sorge und Pflichten an ihrem achtköpfigen Wurf um ihre Zustimmung „gefragt". Da die „Antwort" zu meinen Gunsten, besser der des nachzusuchenden Wildes, ausfiel, beendeten wir nach vierstündiger Riemenarbeit mit Hatz und Fangschuß eine sehr gute Nachsuchenarbeit auf ein waidwundes Rotkalb.

 

Wenn wir die Leistungen unserer vierläufigen Jagdhelfer für uns nutzbar machen wollen, noch mehr: unsere besten Jagdkameraden nicht enttäuschen wollen, dann müssen wir auf sie eingehen, d. h. im Klartext: Wir dürfen sie nicht „vermenschlichen", sondern wir sollten versuchen, uns zu „verhundlichen". Gerade „gestandene" Zuchthündinnen danken uns dies durch persönliche Zuneigung und Anhänglichkeit ebenso wie durch überdurchschnittliche Leistungen im jagdlichen Alltag.

 

Manchmal muß der Züchter, was die Wahl des Wurfplatzes anbetrifft, etwas „nachhelfen", denn der Hubertus-Hündin sagte beispielsweise die nach menschlichen Gesichtspunkten vorschriftsmäßige Wurfkiste vorerst überhaupt nicht zu. Sie hätte ihre Welpen lieber an einem Ort ihrer eigenen Wahl zur Welt gebracht. Unter der Obhut des Meuteführers Mensch verläuft der Wurfvorgang über viele Stunden komplikationslos ab

Mit dem Saint Hubert auf der Rotfährte
Von H. Steinorth

Der Saint Hubert, auch Hubertushund genannt, ist Nachkomme der alten Keltenbracke. Seinen heutigen Namen verdankt er seiner Zuchtstätte, dem in den Ardennen gelegenen Kloster Saint Hubert. Dort hatten sich e Mönche die Erhaltung dieser alten Brackenart zum Ziel gesetzt. In Belgien züchtet heute noch u. a. Prinz Merode den Hubertushund. Aus dessen Zwinger stammen auch die Eltern des von mir geführten Rüden “Phoebus von der Eibenleithe", Zb. VDH 12003/59. Abbildungen erschienen in der Hubertus-Ausgabe 1959 der Pirsch".

Der Hubertushund wird noch heute in Belgien als Meutehund gehalten. Da vor längerer Zeit die Zuchtbasis zu eng wurde, kreuzte man den Foxhound ein. So findet man in verschiedenen Würfen dreifarbige Hunde. Als im Jahre 1958 SKH Herzog Albrecht in Bayern aus der Mutter von „Phoebus" den zweiten Wurf zog, lagen drei oder sogar vier Schecken darin. Eine Hündin nahm Oberforstmeister Frevert und zeigte sie bei der Schweißhundschau 1959 in Uslar. Als ich 1959 „Phoebus" auf der Vorprüfung des Vereins Hirschmann führte, wurden Stimmen laut wegen der Größe dieser Rasse. Ansich könne nur ein starker Mann diese Hunde führen.

Ich gehöre nicht zu der Sorte der Supermänner, habe aber nie Schwierigkeiten mit dem Rüden gehabt.

Eine Hatz mit dem Hubertushund kommt schnell zum Stehen. Auch muß ich den weittönenden Hals dieser Hunde besonders erwähnen, den man auch in stark zerklüftetem Gelände sehr weit hört. Von den speziellen Meuteeigenschaften habe ich bei „Phoebus" nie etwas gemerkt; der Rüde ließ sich stundenlang ablegen und blieb ruhig.

Ich möchte nun einige seiner Arbeiten kurz schildern.

Im März 1957 holte ich „Phoebus" aus Stammham bei Ingolstadt als Welpen. Er entwickelte sich prächtig, und im Sommer 1958 begann die Einarbeit auf kalte Gesundfährte. Die erste Arbeit galt einem Schmaltier dessen Fährte in einer Almaufforstung neun Stunden gestanden hatte. Über die Ruhe des Rüden bei der Arbeit war ich erstaunt, ebenso über seinen Willen, die Fährte vorwärts zu bringen.

Schon im August des gleichen Jahres gab es die erste Nachsuche auf ein Kalb. In einem Hochmoor war das Kalb morgens mit der 7 x 57 R H-Mantel beschossen worden. Nach sechs Stunden war ich am Anschuß und fand Panseninhalt. Der Rüde verwies sehr schön die Pirschzeichen und folgte auf Zuspruch sofort der Wundfährte. Diese führte zunächst über eine Wiese, dann in ein Stangenholz und weiter in ein Altholz. Hier begann der Rüde plötzlich Bogen zu schlagen. Anscheinend hatte sich das Tier vom Kalb getrennt.

Bald verwies „Phoebus" wieder Schweiß und arbeitete weiter auf eine Dickung zu. Kurz vor der Dickung legte ich den Rüden in der Fährte ab, um meinen Onkel als Schützen auf die andere Seite der Dickung einzuweisen Auf Zuspruch arbeitete der Hund zügig weiter. In der Dickung verwies „Phoebus" öfter an den untersten Reisern haftenden Schweiß und auch Panseninhalt. Doch hier war das Kalb nicht stehengeblieben. Die Fährte stand auf eine mannshohe Kultur hinaus. Plötzlich sah ich das schwenkranke Kalb vor uns sitzen. Da ich eine Hetze ohnehin nicht riskieren wollte, gab ich schnell den Fangschuß. Das Stück wurde vom Hund kurz untersucht, wonach für ihn die Sache erledigt war. Ich freute mich sehr über diese erste gute Arbeit. Auch mein Onkel, ein alter Rüdemann, war des Lobes voll, besonders über die große Ruhe des Hundes bei der Arbeit. Länge der Riemenarbeit etwa 1200 Meter.

Im selben Jahr war im November bei schwindendem Büchsenlicht auf einem Dickungsweg vom Hochsitz aus ein Kalb zweimal beschossen worden. In der Nacht regnete und schneite es abwechselnd. Mit gemischten Gefühlen ließ ich mich gegen 8 Uhr, also nach 15 Stunden, auf den Anschuß einwinken. „Phoebus" wußte bereits, um was es ging, saß mit schiefgehaltenem Kopf da und beobachtete mein Tun. Auf dem Anschuß war kein Schußzeichen zu finden. Alles triefte vor Nässe.

Schließlich untersuchte der Rüde den Anschuß, konnte aber auch nichts zeigen. Am langen Riemen buchstabierte "Phoebus" umher und verwies nach etwa 20 Meter unter einer Fichte Leberschweiß. Hier mußte das Kalb verhofft haben. Ich war längst naß bis auf die Haut. Das sind so die Freuden eines Schweißhundführers! Auf Zuspruch arbeitete der Rüde weiter und führte im Bogen auf eine angrenzende Kultur. Plötzlich verschwand der Hund in einem zugewachsenen Graben. Hier lag das verendete Stück mit Leberschuß. Außerdem fanden wir noch einen Streifschuß am linken Hinterlauf. Länge der Arbeit etwa 200 Meter. Aber auch diese kurze Arbeit freute mich, weil bereits alles verwaschen war.

Es folgten noch weitere Nachsuchen, die alle als Totsuchen endeten.

Im November 1961 wurde ich mittags vom Jagdaufseher einer

 benachbarten Gemeindejagd zu Hilfe gerufen. Am vorhergehenden Abend hatte ein Gast in einem Tobel ein in einem stärkeren Rudel stehendes Schmaltier beschossen. Am Morgen war bereits mit einer Drahthaarhündin erfolglos nachgesucht worden. Auf einer aufgeforsteten Alm hatte ein Rudel gestanden, und hier brachte die Hündin die Arbeit nicht weiter. Am Anschuß war nichts mehr zu finden. Ich gab dem Rüden gleich den ganzen Riemen, und zügig führte er durch den Tobel in den Hang, dann auf einer Terrasse in Richtung auf die Almaufforstung. Kurz davor verwies er auf einer Wurzel dunklen Schweiß. Am kritischen Punkt angelangt, begann „Phoebus" Bogen zu schlagen. Er zog die Kreise immer weiter und schien endlich den Knoten gelöst zu haben. Die Arbeit ging immer am Hang entlang. An einem Grashalm wurde Schweiß verwiesen. Ich bekam wieder Hoffnung. Zügig führte der Rüde weiter auf eine Dickung zu. Gleich in dieser gab es reichlich Widergänge. Plötzlich wurde der Riemen schlaff. Ich griff vor, und vor uns lag das Schmaltier. Die 7 x 64 TIG saß kurz weidwund ohne Ausschuß. Die Freude auf beiden Seiten war groß! Riemenarbeit etwa 650 Meter.

Die Frage, wie sich der Rüde bei einer Hetze verhalten würde, beschäftigte mich oft. Nun, der letzte Winter brachte gleich zwei solcher Arbeiten.

Anfang Dezember war ein Kollege von der Donau bei mir zum Kahlwildabschuß zu Gast. Bei einer Pirsch kamen wir an Tier, Schmaltier und Kalb. Das Wild stand unter uns im Hang auf einem kleinen Kopf. Der Kollege schoß auf das Schmaltier, das nach dem Schuß verschwand. Als Tier und Kalb im Troll aus einer Rinne zum Vorschein kamen, ließ ich fliegen. Ein Zeichnen konnten wir beide nicht beobachten. Das Schmaltier konnten wir bereits vom Anschuß aus liegen sehen. Nach mühseliger Kletterei kamen wir zum zweiten Anschuß. Hier fanden wir zunächst einen abgeschossenen Buchenast, dann Knochensplitter vom Röhrenknochen (Hinterlauf) und langes, weiches weißes Haar. Hier konnte uns nur „Phoebus" helfen. Aber der Tag ging zur Neige.

Bei klarstem Sonnenschein stiegen wir zur Nachsuche auf. Der Rüde fiel die Fährte sofort an und verwies verspritzten Schweiß. In einer Lawinenbahn war die Fährte zu Ende. Wir konnten aber alle nicht weiter. Also den Rüden abtragen und im Bogen bergab. Durch einen Tobel gelangten wir wieder zur Lawinenbahn. Hier fand ich aber nichts. So mußten wir weiter nach oben. Mein bergungewohnter Kollege blieb zurück, und ich quälte mich mit „Phoebus" auf einer schmalen Rippe weiter hoch. Plötzlich rief mir der Kollege zu, daß das Kalb komme. Unter mir im Hang sah ich das flüchtige Kalb mit schlenkerndem Hinterlauf. Also Halsung herunter und anrüden! Lauthals stürzte sich der Rüde den Hang hinab. Das Kalb hatte schon den Gegenhang erreicht, drehte aber um, als der Hund dahinter war. Die Hatz ging bergab und auf einem Schleifweg in ein lückiges Stangenholz. Bald ertönte Standlaut. Mein Kollege war bereits am Ball, als ich erschien. (Ihm bot sich ein herrliches Bild: Im verschneiten Wald das dunkelbraune Kalb mit gesträubtem Kamm und davor der schwarze Rüde; dazu der glockenreine Hals des Hundes! Solche Bilder entschädigen einen Schweißhundführer reichlich für alle Mühen und Strapazen. Schnell nahm das Auge alle Einzelheiten nochmals auf, dann erlöste der Fangschuß das Kalb. Riemenarbeit etwa 1000, Hetze etwa 400 Meter.

Einige Tage später wurde an einem Bergkopf ein Kalb bergab mit der 7 x 61 in einem lückigen Stangenort beschossen. Die Nachsuche konnte ich erst am nächsten Mittag beginnen. Am Anschuß fand ich langes weißes Schnitthaar. Ich sprach es als Haar vom Spiegel an. Schweiß war nicht vorhanden. Nach etwa 200 Meter verwies der Rüde zwei winzige Tröpfchen Schweiß, die längst zu Eis geworden waren. Zunächst führte er am Hang entlang bis zu einer Wiesenkante, dann im rechten Winkel nach oben. Wegen der vielen Fährten war eine Kontrolle durch mich kaum möglich. Auf der Höhe verwies der Rüde wieder Schweiß, der allmählich zunahm. In einem Fichtenanflughorst fanden wir das erste Wundbett. Es war aber kalt. Hier lag auch mehr Schweiß, aber nur im hinteren Teil des Bettes. Also doch Schuß durch den Spiegel.

Bald folgte ein Wundbett dem anderen, und plötzlich polterte das Kalb vor uns weg. Am letzten warmen Wundbett schnallte ich „Phoebus", der lauthals der Fährte folgte. Schon ertönte Standlaut. Was der Bund da bot, übertraf alles: Er sprang das Kalb rückwärts an, warf es um und stellte sich mit den Vorderläufen auf das Stück, um zu verbellen. Unwillkürlich blieb ich stehen und genoß dieses Bild. Schnell wurde das Kalb von seinen Qualen erlöst. Dem Schützen fiel ein Stein vom Herzen, als das Stück zur Strecke war. Riemenarbeit etwa 650, Hetze etwa 100 Meter.

Leider habe ich den Rüden heute nicht mehr. Als ich am 1. März d. j. mittags heimkam, empfing mich der Hund nicht wie sonst mit seinem tiefen Hals. Die Zwingertür stand offen, „Phoebus" war weg. Alles Suchen, Anzeigen in der Tageszeitung. Anrufe bei den Nachbarforstämtern und der Polizei blieben erfolglos. Der Verbleib des Hundes ist mir heute noch ein Rätsel.

Hoffentlich erfüllt meine junge Hannoversche Schweißhündin „Freya vom Hessenwald" die Erwartungen, die ich in sie gesetzt habe!